Umbach12

Eberhard Umbach
KARLSRUHER INSTITUT FÜR TECHNOLOGIE KIT
Präsident


»Gerade in der Nanotechnologie beobachten wir bei kleineren und mittleren Unternehmen eine hohe Innovationsdynamik und ein starkes Interesse an dem, was die Forschung auf diesem Gebiet an Neuigkeiten hervorbringt«

»Nahezu alle bedeutenden naturwissenschaftlichen und technischen Entwicklungen, die unsere Wirtschaft, unser Leben und unsere Erkenntnisse in der Vergangenheit geprägt haben und in Zukunft prägen werden, gehen auf Ergebnisse der Grundlagenforschung zurück. Fast überall, wo Technik und Innovation draufsteht, ist Grundlagenforschung drin. Noch vor 20-30 Jahren war allerdings die Behauptung nicht ganz von der Hand zu weisen, dass die Entwicklung von Innovationen aus der Grundlagenforschung heraus vor allem in der Industrie zu geschehen habe, weil sich die Forscher in ihren Elfenbeintürmen bestens aufgehoben fühlten.

Von der Viererkette: Grundlagenforschung, anwendungs- bzw. zielorientierte Forschung, Produktentwicklung und Produktion wurden also früher die drei letztgenannten, manchmal sogar alle vier Etappen im Wesentlichen von der Industrie geleistet. Leider haben sich viele Industriefirmen in den letzten beiden Jahrzehnten weitgehend aus der Grundlagenforschung und zu einem großen Teil auch aus der anwendungsnahen Forschung zurückgezogen. Der Grund ist, dass die Manager großer Firmen unter der strengen Aufsicht der Finanzabteilungen und "Shareholder" zukunftsorientierte Forschung und Entwicklung primär als Kostenfaktor auf der Ausgabenseite wahrnehmen, und Kosten muss man ja bekanntlich minimieren. Die Forscher, die entgegen der manchmal immer noch zu hörenden Behauptung längst aus ihren Elfenbeintürmen herausgekommen sind, stehen nun in einer forschungsarmen Industrielandschaft und halten häufig vergebens nach industriellen Partnern Ausschau.

Umso wichtiger sind Initiativen wie »nanoValley.eu«. Diese Initiative hat sich vorgenommen, Wissenschaft und Wirtschaft, und hierbei vor allem mittelständische Unternehmen und Firmenneugründungen, miteinander zu vernetzen. Gerade in der Nanotechnologie beobachten wir bei kleineren und mittleren Unternehmen eine hohe Innovationsdynamik und ein starkes Interesse an dem, was die Forschung auf diesem Gebiet an Neuigkeiten hervorbringt. Hier gilt es deshalb, Brücken zu bauen und geeignete Kooperationspartner zusammenzuführen.

Übrigens stehen heute nicht mehr die einzelnen Hochschulen oder Forschungseinrichtungen miteinander im Wettbewerb um die besten Köpfe und Forschungsergebnisse - oder die Wirtschaftsbetriebe um die besten Produkte und Marktpositionen - sondern heute spielt sich der weltweite Wettbewerb zunehmend zwischen ganzen Technologieregionen ab. Einer der Gradmesser für die Leistungsfähigkeit einer Technologieregion ist dabei das Ausmaß der Vernetzung zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Diese anzustoßen und weiter zu befördern und weltweit sichtbar zu machen, um Talente aus beiden Bereichen anzuziehen, ist die Schlüsselaufgabe im »nanoValley.eu«. Wir müssen international vorzeigen, was wir in unseren hiesigen Forschungseinrichtungen und Unternehmen gemeinsam zu leisten im Stande sind.«

Ausbildung

1969-1980 Physik-Studium und Promotion an der TU München
1980-1981 Forschungsaufenthalte am Stanford Synchrotron Radiation Laboratory (SSRL) und am Lawrence Berkeley Laboratory
1986 Habilitation an der Fakultät Physik, TU München

Berufstätigkeit

1981-1986 Akademischer Rat a.Z., Institut E 20, Fakultät für Physik, TU München
1986-1987 Akademischer Oberrat und Lehrbeauftragter, Fakultät für Physik, TU München
1987-1993 C3-Professor, Physikalisches Institut, Universität Stuttgart
1993-2007 C4-Professor und Vorstand des Physikalischen Instituts, Universität Würzburg
1994/95, 1998/99, 2002/03 Geschäftsführender Vorstand des Physikalischen Instituts, Universität Würzburg
2006-2008 Präsident der Deutschen Physikalischen Gesellschaft
2007-2009 Vorstandsvorsitzender der Forschungszentrum Karlsruhe GmbH
2007-heute Vizepräsident der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren
2009-heute Präsident des Karlsruher Instituts für Technologie KIT